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| Antje Lohrengel - Universität Bielefeld |
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wissenschaftliche Berichte | |
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Antje Lohrengel - Universität Bielefeld Universität
Bielefeld Thema Rollstuhltanz Referentin: Antje Lohrengel Rollstuhltanz0 EinleitungDer Aufbau der Arbeit gliedert sich folgendermaßen:
1 Rollstuhltanz in der RehabilitationRollstuhltanzen fordert vom Rollstuhl - Tänzer eine exakte Beherrschung des Rollstuhls, egal ob mit oder ohne Partner. Neben der Interpretation von Musik ist das Rollstuhltanzen durch eine saubere Technik gekennzeichnet. Exakte Stops, zentrische Drehungen, Vorwärts- und Rückwärtsdrehungen sind einige wichtige Grundelemente. In der Rehabilitation kann Rollstuhltanzen eine gute Hilfe sein, Patienten, die erst seit Kurzem im Rollstuhl sitzen ( z.B. durch einen Unfall, Schlaganfall etc.), den Umgang mit der neuen Situation „Rollstuhl" zu erleichtern. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
1. 1 Muskulatur zu SitzstabilitätDer Oberkörper kann in drei verschiedene Ebenen bewegt werden:
Die Muskeln, die bei den verschiedenen Bewegungsebenen benutzt werden, sind einmal die des Rumpfes und zum anderen werden die Rumpfbewegungen unterstützt durch die angreifenden Muskeln an der Hüfte und an den Beinen. Im einzelnen stellt sich das folgendermaßen dar: Benötigte Muskulatur zu 1.: schräge Bauchmuskulatur, alle Hüft- und Beinmuskeln Benötigte Muskulatur zu 2a: gerade Bauchmuskeln, M. iliopsoas, M. rectus femoris, M. sartonus Benötigte Muskulatur zu 2b: tiefe Rückenstrecker, M. glutaeus maximus. ischio-crurale Muskelgruppe, alle Adduktoren Benötigte Muskulatur zu 3.: M. quadratus lumborum, M. glutaeus medius und minimus, M. tensor fasciae lata, Extensoren der Beine Mit dieser Aufstellung der einzelnen Muskeln wird deutlich, wie anstrengend, anspruchsvoll und umfassend das Training im Rollstuhltanzen ist, wobei die oberen Extremitäten noch gar nicht berücksichtigt sind. 2 Geschichte des RollstuhltanzensRollstuhltanz stellt eine der integrativsten Formen des Behindertensportes
dar. Rollstuhltanz findet paarweise statt. Ein Rollstuhltanzpaar besteht aus
einem/einer Rollstuhlfahrer/-in und einem/einer Fußgänger/-in. Die Standart-
und lateinamerikanischen Tänze sind in der Form und in der Technik das Vorbild
des Rollstuhltanzens. Auf dieser Grundlage wurde die eigenständige Sportart
Rollstuhltanzen von Frau Prof. Dr. Gertrude Krombholz 1974 in München ins Leben
gerufen. 3 Ansichten zum RollstuhltanzRollstuhltanz ist eine eigenständige Sportart. Viele Bewegungsabläufe und Figuren basieren auf Material von Fußgängertanzpaaren, welches aber in einigen Punkten modifiziert, auf das Rollstuhltanzen umgearbeitet und technisch den Gegebenheiten im Rollstuhltanzen angepasst wurden. Dies bedeutet einerseits, dass die Bewegungsabläufe aus dem Fußgängertanzen nicht ungeprüft übernommen werden können und auch nicht unbedingt übernommen werden sollen. Die Technik des Fußgängertanzens darf nicht über die Technik des Rollstuhltanzens gesetzt werden. Wichtig ist, dass die Charaktere der einzelnen Tänze herauskommen. Die Takt- und Rhythmusinterpretation des Rollstuhl-Tänzers, aber selbstverständlich auch des Fußgänger-Tänzers, sollen eindeutig dem jeweiligen Tanz angepasst sein. (Eine Rumba verlangt eine andere Interpretation als z.B. ein Walzer!) Es wird verlangt, dass
4 Musikalität im RollstuhltanzBei jeder Tanzform versteht sich von selber, dass Musikalität die Grundlage bildet. Ziel ist es, die Musik optimal in Bewegung umzusetzen. Die Bewegungsformen des Paares müssen auf die jeweiligen individuellen Bewegungsmöglichkeiten exakt abgestimmt sein. 4.1 Interpretation von Takt und RhythmusDie Interpretation von Takt und Rhythmus wird durch exakte Stops, Schub- und Zugaktionen mit Hilfe der Hände und Arme ermöglicht. Musik kann interpretiert werden durch:
4.1.1 Schub- und Zugaktionen am GreifradDie taktgenaue, sowie rhythmische Interpretation der Musik durch den Rollstuhl-Tänzer, wird besonders an den Schub- und Zugaktionen am Greifrad sichtbar. Durch diese Schub- und Zugaktionen am Greifrad werden die Fußbewegungen des Fußgänger-Tänzers ersetzt. Er bewegt sich mit dieser Technik im Raum und in Relation zu seinem Partner. Die Aktionen am Greifrad müssen jederzeit dem Betrachter sichtbar, lesbar und eindeutig sein. Andernfalls würde dieses zu einer ungenauen Interpretation der Musik führen. Zu wenige oder zu viele Schub- und Zugaktionen am Greifrad sind daher zu vermeiden. Des weiteren darf der Rollstuhl-Tänzer sich nicht ausschließlich passiv, d.h. vom Partner gezogen, durch den Raum bewegen. Alle Bewegungen sollten unter eigenständiger, aktiver Teilnahme des Rollstuhl-Tänzers erfolgen. Die Lage im Raum des Rollstuhl-Tänzers ist nicht zwingend immer unbedingt immer dort, wo sich der Partner befindet, sondern er kann sich auch selbständig im Raum bewegen. Solch eine Trennung der Partner wird meistens durch eine Schub- oder Zugaktion eingeleitet. 4.1.2 Oberkörper- und ArmbewegungenDer Takt und der Rhythmus der Musik werden zusätzlich zu den Aktionen am Greifrad durch Aktionen im Oberkörper und in den Armen interpretiert. Hierbei ist zu beachten, dass die Bewegungen oberhalb der Hüfte nicht den Hauptteil der Interpretation einnehmen. Arm- und Oberkörperbewegungen müssen sich aus der Musik ergeben, so dass unkontrolliertes „Hampeln" im Rollstuhl unbedingt vermieden wird. Oberkörper- und Armbewegungen sind einfacher durchzuführen als exakte Radarbeit, d.h. die Aktionen am Greifrad sind höher einzustufen in der Bewertung. 5RollstuhltanztechnikBei der Technik im Rollstuhltanzen sind folgende Komponenten von Bedeutung:
5.1 Grundlagen5.1.1 KörperpositionDas Grundelement der Körperposition beider Partner ist eine aufrechte Haltung. Wenn eine aufrechte Haltung angestrebt wird, muss sich das Becken ventral kippen. Durch diese Kippbewegung wird, wie in einem Zahnradsystem, die Streckung im ganzen Körper bis hin zum Kopf erreicht. (vgl. Abb. 4-1). Als Kontrolle der richtigen, aufrechten Sitzhaltung kann das Sitzen ohne die Hilfe durch die Rückenlehne des Rollstuhls dienen. Die Schulterblätter sollten nie nach vorne und schon gar nicht nach oben genommen werden. Ausnahmen, welche zu einer besseren Darstellung des Charakters eines Tanzens und dessen Interpretation dienen, sind natürlich erlaubt. Unterstützende Muskeln für das aufgerichtete Sitzen sind:
5.1.2 Schwerpunkt und DrehachseDie oben beschriebene Körperhaltung ist besonders wichtig bei den Drehungen, egal ob Rollstuhl- oder Fußgänger-Tänzer. Gedreht werden kann nur, wenn die Drehachse durch den Schwerpunkt erfolgt. Die Schwerpunktachse liegt beim Rollstuhl-Tänzer durch seine Haltung anders als beim Fußgänger-Tänzer (vgl. Abb. 4-2)
Der Verlauf der Achsen hat direkte Auswirkungen auf die Führung und den Bewegungsablauf von Unterarmdrehungen. Ein Rollstuhl-Tänzer kann sich in seinem Rollstuhl selbstverständlich nur vorwärts oder rückwärts bewegen. Seitwärtsbewegungen sind nicht möglich. Auch Drehungen sind mechanisch gesehen, Vorwärts- bzw. Rückwärtsbewegungen, da sich die einzelnen Räder entweder vorwärts oder rückwärts drehen. 5.1.3 ImpulsrichtungenDer Rollstuhl-Tänzer bekommt Impulse durch seinen Partner. Der Impuls darf nicht als plötzlicher Kraftstoß verstanden werden. Vielmehr ist es ein Anstoß, der gleichmäßig wächst, bis zu seinem Maximum. Die Abstimmung von Zug- und Druckimpulsen muss gut abgestimmt sein und das Prinzip Kraft = Gegenkraft muss genau beachtet werden. Besonders wichtig wird dieses bei der geschlossenen Armhaltung der Tanzpartner. Ich gehe hier nicht weiter auf das Paartanzen ein. 5.2Grundformen der Bewegung5.2.1 Grundformen am OrtUnter Grundformen am Ort versteht man alle Bewegungen, die der Rollstuhl-Tänzer ohne Fortbewegung ausführt. Die Musik wird mit dem Oberkörper. Arm oder Kopf interpretiert. 5.2.1.1 Bewegungsmöglichkeiten von Rumpf, Schulter und KopfDie Bewegungen der Schulter entstehen durch Bewegungen des Oberkörpers ab etwa Unterkannte Brustkasten. Sie bewegen sich nach rechts oder links, wobei die Schultern auf einer Ebene gehalten werden sollen. Die Schultern können auch vorwärts und rückwärts bewegt werden, wobei der gesamte Oberkörper in einer gestreckten Haltung verbleiben soll. Auch Rotationen im Oberkörper sind zulässig, wenn sich die Schulterachse ausgelöst durch die Oberkörperbewegung mitdreht. Eine weitere Bewegungsmöglichkeit ist die Neigung. Unter Neigungen versteht man das Strecken der gegenüberliegenden Körperseite, zu der die Neigung erfolgen soll. Um eine sichtbare Neigung zu erreichen, erlaubt man deshalb Rollstuhl-Tänzern das leicht Knicken der Körperseite, in die die Neigung ausgeführt werden soll. 5.2.1.2 Bewegungsmöglichkeiten der ArmeRhythmische Armbewegungen dürfen niemals isoliert und eigenständig durchgeführt werden. Armbewegungen des Rollstuhl-Tänzers entstehen aus Bewegungen des Körpers heraus. Sie führen eine bereits vorhandene Körperbewegung weiter und machen diese ausdrucksstärker. Die aufrechte Sitzhaltung und die Schulterlinien dürfen nicht beeinträchtigt werden. Eine optische Unterstützung der Armbewegungen durch entsprechende Kopfführung ist möglich und erwünscht. Alle Körper- und Armbewegungen müssen rhythmisch ausgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass der Rollstuhl-Tänzer nicht dazu gezwungen wird, unnötig viele Bewegungen auszuführen. Rhythmik und Takt ist hauptsächlich Lesbarkeit von Bewegung. Einen Überhäufung von Armbewegungen und die des Körpers ist daher zu vermeiden, da dies zu Unlesbarkeit und somit zu „Hampeln" im Rollstuhl führt, was nichts mit Umsetzung von Musik in Bewegung zu tun hat. 5.2.2Grundformen der FortbewegungDieses sind die Fortbewegungen im Raum, Drehungen und exakte Stops. Wichtig hierbei ist die taktgenaue Bewegung der Hände am Greifrad. Um die aufrechte Position im Rollstuhl beizubehalten, wird das Greifrad nur im vorderen Viertel angefasst. (vgl. Abb. 4.4) Die Reduzierung der Griffmöglichkeiten auf den Bereich vom oberen Totpunkt zum unteren Totpunkt ( a. Abb.) sichert die aufrechte Haltung des Rollstuhl - Fahrers während er sich fortbewegt. Innerhalb dieses Bereiches sind alle Schub- und Zugaktionen möglich, die möglichst schnell und klein erfolgen sollen. Eine exakte Festlegung, auf welchen Taktschlag in der Musik Aktionen am Greifrad ausgeführt werden sollen, ist nicht möglich, wie aufgrund des Trägheitsmomentes ganz schnelle Aktionen. Beim Vorwärts- und Rückwärtstanzen hält der Rollstuhl-Tänzer seine Hände in der Grundposition (s. Abb. 4). Für das Vorwärtstanzen gilt folgendes: In einer aktiven Bewegung nimmt der Rollstuhl - Fahrer das Rad fest in die Hand und führt es nach vorne. Wenn er in seiner Endposition angekommen ist ( maximal der untere Totpunkt) lässt er die 1-Land dort liegen, um dem Betrachter zu zeigen, dass er den unteren Totpunkt nicht überschritten hat. Dass Rad lässt er durch die Hände dabei rutschen. Auf einen festen Taktschlag nimmt der Tänzer die Hände wieder schnell zurück in die Grundposition (passive Bewegung), von der er aus eine neue Aktion starten kann. Für das Rückwärtstanzen mit Zugaktion gilt das gleiche, wie für das Vorwärtstanzen mit Schubaktion. Der Zug ist nur schwieriger auszuführen aufgrund des mechanischen Aufbaus des Rollstuhls. Die Schub- und Zugaktionen können sowohl mit einer Hand, als auch mit beiden Händen erfolgen. Wenn eine Hand eine Schubaktion und die andere Hand eine Zugaktion ausführt, entsteht eine Drehung. 5.2.2.2Eine Vorwärts - oder Rückwärtskurve wird beim Rollstuhl - Tanzen exakt so getanzt, dass das innere Rad, um das gedreht wird, sich ständig an der selben Stelle befindet und das äußere einen Kreisbogen beschreibt. Dieses wird erreicht, wenn der Tänzer das innere Rad ruhig hält und mit dem äußeren Schub- oder Zugaktionen durchführt. 5.2.2.3Bei zentrischen Drehungen kann der Rollstuhl - Tänzer sich um die Drehachse drehen, indem er mit einem Arm das Rad nach vorne und mit dem anderen Arm das andere Rad nach hinten bewegt, wobei der Arm mit der Zugaktion die meiste Arbeit leistet. Kriterien für eine gute zentrische Drehung sind:
5.2.2.4Exakte Stops können nur durch gleichmäßiges Abbremsen durch den Druck der Hand am Greifrad erreicht werden. Die Gleichmäßigkeit des Abbremsens ist besonders wichtig, da die Räder beim plötzlichen Abbremsen blockieren können. Beim Rollstuhl - Tanzen werden alle Grundformen (am Ort und in der Fortbewegung) miteinander kombiniert und durch Arm-, Schulter- und Kopfbewegungen angereichert. Wichtig ist, dass alle zusätzlichen Bewegungen gut dosiert angewendet und die Rhythmusinterpretation und die Charakteristik des Tanzes unterstützt und nicht gestört werden. Dieses Skript stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Kapitel "Paarweißes Tanzen", Turnierbewertungen im Rollstuhltanz" und die „Interpretation der einzelnen Tänze wurden nicht mit aufgeführt. Sie sind bei bedarf nachzulesen in: Literatur:
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Dumbeck, |
Rollstuhltanz |
Neunkirchen 1997 |
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Strohkendl, |
Funktionelle Klassifizierung für den Rollstuhlsport |
Springer - Verlag, |